Flugpostbeleg der gescheiterten Atlantiküberquerungen 1927

Am 14. August 1927 um 18:21 Uhr starteten in Dessau die W 33 „Bremen“ (D-1167) mit dem Piloten Fritz Loose und dem Navigator Hermann Köhl, als Begleiter Günther von Hünefeld und als zweites Flugzeug die
W 33 „Europa“ (D-1199) mit den Fliegern Johann Risztics und Cornelius Edzard sowie als Begleiter Hugo Knickerbocker in Richtung Atlantik. Der Norddeutsche Lloyd war Förderer des Fluges und deshalb wurden die Flugzeuge nach den Schnelldampfern des Norddeutsche Lloyd ‘s benannt.
Die „Europa“ mussten ihren Flug aus technischen Gründen frühzeitig abbrechen. Die „Bremen“ musste über dem Meer zwischen Schottland und Irland kurz vor dem Atlantik wegen eines sehr starken Sturms umdrehen und zurückfliegen. Nach über 22 Stunden Flugzeit landete sie sicher in Dessau. Die mitgeführten 1073 Briefe und 946 Karten wurden in Dessau für einen geplanten weiteren Flug eingelagert.
Die Severa GmbH (Tarnbezeichnung für die Seeflugzeug-Versuchsabteilung) plante mit Hapag LLyod, Junkers und der Marineleitung einen Amerikaflug über die Azoren. Als Besatzung wurden Fritz Loose, Rolf Starke, und ein Bordmechaniker Fittner bestimmt. Die Wiener Schauspielerin Dillenz kaufte sich als Passagier ein. Als Flugzeug wählte man ein dreimotorigen Schwimmer-Flugzeug Junkers G 24 (D-1230). Diesmal startete man am 4. Oktober 1927 in Wallwitzhafen an der Elbe bei Dessau. Die erste Etappe führte bis Norderney wo „großer Abschied genommen wurde“ und die Luftpost mit dem Stempel von Norderney abgeschlagen wurde. Der Flug führte bis zu der Azoreninsel Fayal. Beim Start zum Weiterflug nach Amerika ist die linke Propellerspitze abgebrochen. Der Flug musste beendet werden. Das Flugzeug wurde zerlegt und mit Besatzung und Gepäck Anfang Dezember mit einem Habag-Dampfer nach Hamburg verschifft, wo es kurz vor Weihnachten eintraf. In Dessau erhielt die Flugpost den roten Stempel „Zurück, Flug nicht durchgeführt“ und den roten Stempel der besagt, dass die Postgebühr nach Anforderung erstattet wird. Anfang 1928 ging die Post an die Absender mit Einschreiben zurück.
Bei der geglückten Atlantiküberquerung am 12. April 1928 wurden keine Flugpost befördert. Es haben alle Unterstützer ihre Hilfe eingestellt. So fand der Flug mehr oder weniger geheim statt.

   

Der Beleg ist portogerecht mit 25 RM portorichtig frankiert. 12 RM für die Beförderung als Flugpost nach Amerika und 13 RM als Zuschlag für die Verwendung als Einschreiben. Verklebt ist der komplette Satz der Flugpostmarken Adler aus dem Jahr 1926. Weiters trägt er die original Unterschriften des Piloten Fritz Loose und des Begleiters Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld, dem Pressesprecher des Norddeutsche Lloyd. Der wurde von Herrn K. Sturny an einen Herrn Johann Strauss in Chicago adressiert.
Dabei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Johann Eduard Maria Strauss, auch Johann Strauss (Enkel) oder Johann Strauss III (* 16. Februar 1866 in Wien; † 9. Januar 1939 in Berlin).
Er war der Enkel von Johann Strauss (Vater) und Geigenspielender Dirigent.
(Sammlung: Wolfgang Soller)