Wertbrief aus den letzten Tagen der Hochinflation

 

Hier ein Wertbrief über 95 Goldmark vom 27.11.1923, dessen Tarifgestaltung zunächst erhebliches Kopfzerbrechen bereitet. Zur Verwirrung führten gleich zwei Umstände, nämlich die Wertangabe in Goldmark und die beiden verschiedenen Abgangsstempel.

Und nun zur Lösung der Probleme:  

Nun gab es die Goldmark als Währung nach dem 1. Weltkrieg und im Endstadium der Inflation ja nicht mehr wirklich. Da aber bereits am 20. November der Wechselkurs von 1 US-Dollar = 4,2 Rentenmark feststand, war zumindest das Vorkriegsverhältnis des Dollars zur Goldmark wiederhergestellt. Dies führte dazu, dass manche Leute die neue Rentenmark mit der alten Goldmark gleichsetzten.

Kommen wir nun zur Frankatur: Verklebt wurden drei Marken zu je 1 Mrd. Reichsmark und 26 Marken je 20 Mrd., was die enorme Summe von 523 Milliarden ergibt, multipliziert mit 4 ergibt sich dann der stolze Betrag von 2.092 Mrd. (es waren die Tage der Vierfach-Aufwertung).

Zieht man hiervon nun das Porto von 112 Mrd. und die Einschreibegebühr von 80 Mrd. ab, verbleiben 1.900 Mrd. für die Versicherungsgebühr. Da wir es hier mit einer großen Summe zu tun haben, ist die Rechnung mit 2% recht einfach, denn 95 Goldmark = 95 Billionen Papiermark ergibt genau den Betrag von 1.900 Mrd. als Versicherungs-gebühr.

Bleibt nun noch die Abstempelung der beiden Orte zu klären. Kamnig war ein kleiner Ort bzw. Dorf, in dem es offensichtlich an Marken der Wertstufe zu 20 Milliarden mangelte. Daher wurde der Brief in das benachbarte Ottmachau weitergeleitet. Dort wurden die fehlenden Marken hinzu geklebt, wobei aus Platzgründen die Siegel entfernt wurden.

 (Sammlung Armin Städler)